CJA-Reise «Jüdisches Köln» vom 27. April bis 1. Mai 2018

Erster Tag

Am 27. April 2018 fährt eine Gruppe von 12 Personen, Frauen und Männer der christlich-jüdischen Arbeitsgemeinschaft Aargau nach Köln. Wir erreichen die Stadt um 13.00 Uhr bei sonnigem Frühlingswetter. So unternehmen wir bereits am Ankunftstag einiges Schönes und Interessantes: Fahrt mit der Bimmelbahn durch die Altstadt, danach zur Erholung eine einstündige Schiff-Fahrt auf dem Rhein.

Das Programm setzt sich fort indem wir gegen Abend zur liberalen Synagoge fahren. Dort können wir am Gottesdienst teilnehmen. Vor dem Eintritt in die Synagoge müssen wir alle die ID zeigen, Namen und ID Nummern werden registriert, das macht mir Eindruck, denn so ein Prozedere habe ich vormals noch nicht erlebt. Zum Abschluss dieses Gottesdienstes gibt es Kiddusch und ein feines kaltes Buffet, dazu trinken wir Wasser. Erst gegen 22.30 Uhr gelangen wir wieder zum Hotel zurück, ein langer, ausgiebiger und schöner Tag ist das geworden. Ein Dank der Organisatorin.

Barbara Villiger

 

Zweiter Tag

Unsere Gruppe war eingeladen, am 28. April um 9 Uhr 30 dem orthodoxen Schabbat-Gottesdienst in der Kölner Synagoge beizuwohnen. Sie befindet sich im Stadtteil Neustadt-Süd an der Roonstrasse und ist das Zentrum der Synagogen-Gemeinde Köln, die mit beinahe 5000 Mitgliedern eine der grössten jüdischen Gemeinden Deutschlands ist. Der mächtige Bau wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neoromanischen Stil errichtet, ist aber in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 ausgebrannt und schwer beschädigt worden. Erst 1959 wurde der Wiederaufbau beendet und die Synagoge konnte am 20. November wiedereröffnet werden. Am Heiligabend desselben Jahres wurde sie jedoch mit Hakenkreuzen und antisemitischen Sprüchen geschändet. Im Hinblick auf den weiterhin existierenden Antisemitismus können wir die Präsenz der Kölner Polizei und die strenge Ausweiskontrolle beim Eintritt verstehen.

Ich nehme an, dass vielen von uns während des Gottesdienstes die Verwandtschaft mit christlichen Ritualen bewusst wurde. Selbst wurde ich beim Anblick der lebhaft beteiligten Kinder daran erinnert, dass auch mein eigener Vater als kleiner Junge in Wien zusammen mit seinen Eltern die Synagoge besucht hat, wir aber nie miteinander darüber gesprochen haben.

Das weitere Programm führte uns in ein kleines libanesisches Lokal, wo wir mit orientalischen Spezialitäten wie Falafel, Hummus und anderen duftenden Mezze-Gerichten verwöhnt wurden.

Pünktlich um 14 Uhr fanden wir uns dann am Domplatz ein, wo uns ein geschichtlich sehr versierter Guide während zweier Stunden durch den Dom führte. Dass dieser zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands gehört, konnten wir an den vielen Touristen erkennen, die sich im und um den Dom bewegten. Seine Grösse und Baugeschichte sind wirklich beeindruckend. Auf die sakralen Bauten des 5. bis 12. Jahrhunderts (erhalten geblieben das romanische Gero-Kreuz) folgte 1248 der Beginn der Bauarbeiten für den neuen gotischen Dom. Zuvor waren nämlich die Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln gebracht worden und hatten die Stadt zum bedeutendsten Wallfahrtsort Europas gemacht. Die mittelalterliche Bautätigkeit am Dom währte bis zum 16. Jahrhundert. Erst 300 Jahre später wurden die beiden Türme nach den alten Bauzeichnungen vollendet. Alte Fotografien zeigen das Wahrzeichen Kölns noch ohne Türme.

Nach der Dombesichtigung trafen wir uns in der berühmten Altstadt-Konditorei Fassbender zu Kaffee und diversen Köstlichkeiten. In separiertem Raum wartete ein schön gedeckter 12-Personen-Tisch auf uns und wir konnten unsere liebe Käthi Frenkel zu ihrem dreiundsiebzigsten Geburtstag hochleben lassen. Danke, liebe Käthi, dass es dich gibt, und danke liebe Monika, dass du alles so wunderbar organisiert hast.

Helen Pirktl

 

Vierter Tag

Am 4. Tag unserer Reise nach Köln sind meine Kollegin Barbara und ich eigene Wege gegangen.

Billettautomaten haben ihre eigenen Tücken und so mussten wir schon am frühen Morgen auf der Suche nach 2-Euro Münzen für die U-Bahn den ganzen Kölner Hauptbahnhof abwandern bis wir bei einer freundlichen Bankbeamtin fündig wurden. Fahrt mit der U-Bahn nach Neumarkt, dort wunderbarer Blumenmarkt, der zum Flanieren und Geniessen einlud. Aufenthalt im Karstadt-Warenhaus, Mittagessen daselbst in einem grossen, nicht überfüllten Restaurant. Zurück zum Neumarkt und Besuch der grossen Mayer`schen Buchhandlung, in der es sogar ein live Piano Konzert gab, eine junge Frau spielte romantische Klaviermusik, und wo es auf der Kinderbuchabteilung ein richtiges kleines Karussell gibt.

Bereits sehr erschöpft, trödelten wir noch ans Ende des Platzes zur hochromanischen Kirche St. Aposteln mit dem schönen Marienaltar und den 14 Figuren der Nothelfer. Auf dem Rückweg zum Dom überraschte uns ein kurzes, heftiges Gewitter, vor dem wir in der evangelischen Antoniter Kirche in der Schildergasse Schutz suchten, und wo sich der Herr an der Pforte als Kenner von Ernst Barlachs Kunstwerken erwies. Ein Kreuz und ein weiteres Werk dieses Künstlers befinden sich in der Kirche. Erschöpft und todmüde vom Herumschlendern sanken wir etwas später in die weichen Polsterstühle des Café Fassbenders und erholten uns dort bei Kaffee und Kuchen, bevor wir uns auf den Heimweg ins Hotel machten.

Margrit Grabscheid