Bericht Film „Bomben für meinen Feind“

  1. September 2017, Eidg. Dank-, Buss- und Bettag

Bomben für meinen Feind

 

Traditionsgemäss lud die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft CJA Aargau auch dieses Jahr ihre Mitglieder und Freunde am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag zu einem Besuch im Kino Odeon Brugg ein. Dieses Jahr zu einem ganz besonderen Film.

„Bomben für meinen Feind“ lässt die Protagonistin Edith Goldberger-Klein erzählen, wie sie nach der Befreiung in letzter Sekunde auf dem Todesmarsch durch amerikanische Soldaten gerettet und nach Jerusalem reiste, weil dies der abgemachte Treffpunkt ihrer Familie war. Zu ihrer Bestürzung musste sie jedoch feststellen, dass sie die einzige Überlebende ihrer grossen Familie war.

Edith Goldberger-Klein konnte jedoch den Gaskammern in Auschwitz entkommen, sie wurde nach Herrenwald, einer hessischen Kleinstadt, transportiert und musste dort unter grösster Geheimhaltung Sprengstoff produzieren und in Bomben und Granaten abfüllen. Ohne Schutzbekleidung mussten sie hochprozentige Salpeter- und Schwefelsäure in die Bomben einfüllen und die fertigen Granaten, welche 50 Kilogramm wogen, herumschleppen. Dies war auch die Aufgabe von Edith Goldberger-Klein und ihren Leidensgenossinnen, die sich später „Lagerschwestern“ nannten.

Der Film zeigt auf berührende Weise, wie Edith Goldberger-Klein mit zwei ihrer Söhne nach Amerika reist, um sich mit ihren Lagerschwestern zu treffen und auszutauschen. Dokumentarisch wird versucht, die Geschichte der ungarischen Zwangsarbeiterinnen nachzuerzählen, beeindruckend sind vor allem die Erinnerungen an die schreckliche Zeit: es sind nicht Rache- oder gar Hassgefühle gegenüber den Tätern, sondern eine tiefe Dankbarkeit, dass sie überlebt und die Möglichkeit hatten, in ihrer jüdischen Religion Halt zu finden und eine neue Familie zu gründen, mit Kindern, Enkeln und Urenkeln.

Nach dem Film unterhielt sich Ronaldo Goldberger, einer der vier Söhne von Edith Goldberger, in einem Podiumsgespräch mit Kevin De-Carli, der als Moderator die Diskussion unter dem Titel „Reise nach Jerusalem – Hoffnung und Erinnerung“ leitete. Die anschliessende Plenumsdiskussion zeigte die Betroffenheit nach dem Film, unterstrich aber auch die beeindruckenden Worte der Protagonistin: Sie wünscht sich vor allem, dass es dereinst Frieden unter den Völkern und Religionen gibt. Ein Wunsch, dem sich die zahlreichen Kinobesucher berührt anschlossen.

 

Käthi Frenkel-Bloch, Präsidentin CJA